Hilfe, ich verstehe kein einziges Wort

© Yantra

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Auf meiner ersten Reise nach Ungarn ist mir etwas passiert, was mir schon lange nicht mehr passiert ist: Ich verstehe kein einziges Wort!

Ich bewege mich in einer anderen Kultur, lese, was angeschrieben ist und höre die Menschen sprechen, aber ich verstehe niemanden und ich denke, niemand versteht mich.

Es erinnert mich an den ersten Elternabend unseres Sohnes in der ersten Klasse, an dem die Lehrerin mir völlig unbekannte Zeichen und Muster an die Tafel malte und darunter stand, welcher Buchstabe das im Deutschen sein sollte. Und damit hätten wir jetzt Wörter zu schreiben.

Aha, eine Übung für das Gehirn, um Altes loszulasen und Neues zusammenzusetzen, um damit Sinnhaftes zu schaffen. Also frisch ans Werk. Ich lese Buchstabenkombinationen, die auch zum Teil anders ausgesprochen werden als ich das kenne, und dies ergibt Wörter, die sich mir nicht erschließen. Eine spannende Erfahrung.

Also heißt es freundlich und offen zugehen auf diese freundlichen Menschen, ein paar Begriffe der Sprache ergreifen, um zu zeigen, dass man Achtung und Respekt vor dieser Kultur und Sprache hat. Und dann, ja dann werde ich freundlich auf Deutsch oder Englisch angesprochen, mir wird gerne geholfen und man gibt mir das Gefühl, ein gern gesehener Gast zu sein.

Geht es uns nicht in vielen anderen Situationen genauso? Man kommt in eine Situation, in der völlig neue, uns unbekannte Regeln gelten, wir sind fremd in diesem Setting und das, was uns bisher einen verläßlichen Rahmen für Werte und Richtlinien gegeben hat, ist scheinbar nicht erkennbar.

Was mein Gegenüber aber wahrnimmt, und was auch ich an meinem Gegenüber wahrnehme, das ist die ehrliche Bemühung, die innere Haltung, mit der wir auf einander zugehen. Empfinde ich Respekt und Achtung, so wird dies wahrgenommen und Türen tun sich auf, die wir auf den ersten Blick nicht sehen konnten.

 

 

 


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