Vom Festhalten und Loslassen

Ich stelle mich gerade den angesammelten Erinnerungen und Gegenständen an meinem Arbeitsplatz und in meinem Haushalt. Meinen eigenen und denen der anderen. Gewiss, alles, was einem anderen gehört, das geht mich nichts an, darf ich nicht entsorgen, aber ich darf sagen, wenn es mich stört.

Und dem Eigenen darf ich mich stellen.

Bild Ursula Hellmann

Bild Ursula Hellmann

Welche Erinnerung oder Erfahrung verbinde ich mit einem Gegenstand, einer vorhandenen Situation? Da gibt es die Kraftspender: Dinge, deren Anblick mich mit Freude erfüllt, mit schönen Erinnerungen, die in mir ein gutes Gefühl hervorrufen, wenn ich sie betrachte oder in die Hand nehme. Und es gibt die Krafträuber: Dinge, deren bloßer Anblick diese innere Stimme in meinem Kopf aktiviert, die ruft: Du hättest, Du müsstest, Du solltest, warum hast Du immer noch nicht ….

Das Foto, das ich mit den wunderbaren Erinnerungen an einen schönen Urlaub verbinde, darf einen gut sichtbaren Ehrenplatz erhalten. Die Akten, die bearbeitet werden sollten, oder die unerledigte Bügelwäsche dürfen an einen Platz wandern, an dem sie nicht ständig im Blickfeld stehen.

Und was mache ich mit ungeliebten Geschenken, wohin mit der gräßlichen Vase oder dem Bild mit dem röhrenden Hirsch vom Großonkel? Denen darf ich einen Platz geben bei Menschen oder Einrichtungen, bei denen sie noch Gutes tun. Über das Sozialkaufhauf oder eine gemeinnützige Einrichtung als Spende weggegeben, übers Internet verkauft  oder durch Verschenken oder das Zurückführen in einen Recycling-Kreislauf dürfen diese Dinge ihre Energie an anderer Stelle einbringen und bei mir darf dieser Raum frei werden. Frei für mich und meine Bedürfnisse.

Manchmal hilft auch ein Foto des Gegenstandes beim Loslassen, denn wenn ich mich daran erninnern möchte, kann ich das Foto betrachten, auch wenn der Gegenstand selbst nicht mehr in meinem Umfeld ist.

Und die gesammelte Vergangenheit der Anderen? Das Ablagesystem der Vorgängerin im Büro darf entweder komplett so bestehen bleiben oder darf eventuell auch stückweise in mein eigenes System integriert werden. Entscheidungsträger kann da aber auch ein Vorgesetzter sein, der eine bestimmte Ordnung oder Struktur möchte. Wenn ich die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen kenne, dann darf nach Ablauf der unterschiedlichen Fristen das eine oder andere Aktenstück entweder ins Archiv oder in den Schredder wandern.

Und die Schätze meiner Familienmitglieder können nur von ihnen selbst sortiert und eventuell auch aussortiert werden. Aber ich darf mit ihnen gemeinsam festlegen, wie wir alle miteinander welche Räume nutzen möchten und wo ein guter Platz für die Plattensammlung oder die nicht mehr genutzen Spielsachen sein könnte. So folgt gelegentlich auch eine neue Struktur und Ordnung in den gemeinsam oder von anderen benutzten Räumen.

Was ich dabei gewinne? Freien Raum, freien Platz, Freiraum, Entfaltungsmöglichkeiten. Innere Ruhe und Kraft dürfen sich wieder einstellen, neue Möglichkeiten erhalten Raum und Gelegenheiten. Ich darf mehr und mehr in meiner Mitte ankommen und bleiben. Ein wahrhaft gutes Gefühl.

 

 

 

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