Für Sie ist es wertvoll – für andere nur Ballast

Eine junge Frau räumt in einem Zimmer mit vollen Bücherregalen, alten Möbeln, gemalten Bildern und Fotos. Auf dem Boden stehen Kartons mit der Aufschrift Unsicher, behalten, weggeben.

Seit einem Jahr reifte in mir der Plan mit meinem Arbeitszimmer in eine andere Etage umzuziehen und mit unserem Gästezimmer zu tauschen.

Wozu diente dieses Zimmer bis jetzt?

Es ist eines dieser Zimmer, die schon mehrere Funktionen hatten. Vielleicht kennen Sie das aus ihrer Wohnung oder ihrem Haus auch: Da gibt es ein Zimmer, das ist erst Kinderzimmer, dann Gästezimmer und am Ende Abstellraum für alles, das keinen anderen Platz gefunden hat. So war das bei uns auch.

Die Bücherwand – gesammeltes Wissen – wozu?

Ja, und da gab es diese riesige Bücherwand mit mehr als 300 Büchern aus all den unterschiedlichen Lebensphasen. Einige Romane meiner Lieblingsautorin Maeve Binchy, natürlich im Original und beinahe die vollständige Reihe ihrer Werke. All die verschiedenen Wörterbücher in Deutsch, Englisch und Italienisch für mein Übersetzerstudium an der Universität Mainz, mehr als 60 Bände über Soziologie für meine Diplomarbeit über das Patriarchat in Italien und Bücher, die von meinen vielen Auslandsaufenthalten zeugen – von Dante Aleghieri bis Virginia Wolf, alles in der Originalsprache.

Und dann kamen die Bücher über Anthroposophie und Kindererziehung, über Atlantis, Lemurien, Ausbildungen in Heilweisen und Energiearbeit und andere Phasen meines weiteren spirituellen Weges.

Und was ist das alles wert?

Da so manches Buch einen hohen Anschaffungspreis hatte, wollte ich zuerst die Bücher über ein Portal verkaufen. Nach der Mühe des Sortieren und Scannens und Eintippens des ISBN-Codes wurde mir nur für einige der Bücher 15 Cent bis ein Euro als möglicher Verkaufspreis genannt. Andere galten als unverkäuflich. Was für eine Enttäuschung!

Was würde unser Sohn damit machen?

Dann habe ich unseren Sohn gefragt, was er mit all den vielen Büchern machen würde. Nachdem er sogar einige entdeckt hatte, die er selbst gelesen hatte, meinte er ganz einfach: „Container“.

Ich spürte, dass es mir schwer fiel, all diese Schätze, an denen Erinnerungen hängen, einfachauf dem Wertstoffhof zu entsorgen. Letztendlich habe ich mich doch dafür entschieden und war sehr froh, dass mir mein Mann das abgenommen hat.

Keiner will Ihre Sachen!

Es war eine bittere Erkenntnis, dass Bücher und Dinge, die mir etwas bedeuten, für andere Menschen offensichtlich keine Bedeutung haben. Aber es war auch zugleich eine befreiende Erkenntnis. Denn während ich räumte wurde mir klar, dass ich jetzt den Platz für mein heutiges Leben, mein jetziges Sein haben möchte. Und diesen Platz hatte ich geschaffen, indem ich mich von den alten Gegenständen und Büchern trennte.

Behalten darf ich das Wissen, das mir noch dient, und die enorme persönliche Entwicklung, die ich durchlaufen habe. Ein immenser, wenn auch immaterieller Schatz.

Vielleicht ist es Ihnen schon mal ähnlich gegangen oder es kommt auf Sie zu, dass Sie demnächst umräumen oder Dinge aussortieren möchten oder müssen. Dann seien Sie nicht enttäuscht, wenn die Dinge, die Ihnen etwas bedeuten, für andere Menschen belanglos sind, auch für nahestehende Menschen oder Mitglieder Ihrer Familie.

Denken Sie daran, dass die immateriellen Schätze und Ihre Erfahrungen, die Sie durch diese Dinge erworben haben, immer in Ihrem Herzen sind, auch wenn Sie Platz für Neues in Ihrem Leben machen.

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