Muttertag für Beinahe-Mütter

Leere Wiege: Fotolia #62210464 | Urheber: Robert Kneschke

Nun steht er wieder vor der Tür, der Muttertag. Das große Fest der Familie, bei dem, für einen Tag, die Mütter im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Väter, Kinder, und eine ganze Industrie an Süßwaren, Kosmetikartikeln, Schmuck, etc.  bereiten sich vor und versuchen, der Mutter DANKE für all das zu sagen, was sie das ganze Jahr für ihre Lieben leistet.

Und wie geht es den Beinahe-Müttern an diesem Tag? Den Frauen, die so gerne Mutter geworden wären, bei denen das Kindchen aber nicht bleiben konnte?

Aus welchem Grund? Da gibt es so viele verschiedene und jede Seele eines Kindes hat seine eigenen Beweggründe. Da ist das Kind, das sich entscheidet zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen, so als ob es etwas Wichtiges vergessen hätte vor dem großen Abenteuer der Geburt.

Es gibt die Seele des Kindes, das spürt, dass es jetzt vielleicht zu schwer wäre, wenn es bleiben würde.

Es gibt die Seele, die eine Aufgabe für die Eltern bringt, z.B. an der Trauer zu wachsen, und noch viele, viele andere. In achtsamen Gesprächen kann man manchmal auch mit dieser Seele Kontakt aufnehmen, bei dieser Erfahrung durfte ich schon manche Beinahe-Mütter begleiten.  Dann kann es leichter werden, das Geschehene anzunehmen als Teil des eigenen Weges.

Und wie begeht man einen solchen Tag als Beinahe-Mama, als Frau, die sich doch so sehnlich ein Kind wünscht und bisher noch keines haben kann?

An diese Tagen dürfen wir achtsam mit uns selbst sein, gut für uns sorgen und uns etwas Gutes tun. Wir dürfen auch der Seelen gedenken, die nur ganz kurze Zeit in unserer Nähe waren und den Weg zurück in das große Zuhause wieder angetreten haben. Wir können ihnen nur einen Weg anbieten, eine Gelegenheit schaffen, um diesen Weg zur Inkarnation und Geburt gehen zu können. Die letztliche Entscheidung aber liegt bei diesen Seelen, ob sie zu uns kommen und bei uns bleiben können und wollen. Und das hat nichts mit uns als Frau zu tun, das ist die Entscheidung jener Seelen. Eine Entscheidung, die nicht von uns getroffen wird und die so oft nur sehr schwer anzunehmen ist.

Manche Frauen finden den Weg zur Vereinigung Leere Wiege, eine Selbsthilfevereingung für Väter und Mütter, die ihr Baby schon vor der Geburt verloren haben, durch eine Fehl-  oder Frühgeburt und manchmal auch durch eine Totgeburt. Zu wissen, dass man mit einem solche Schicksal nicht alleine ist, jemanden zum Reden, Trauern, Schweigen zu finden, der das eigene Erlebte nachvollziehen kann, das kann eine große Hilfe sein, das erfahre ich auch immer wieder in meiner Paxis.  Und manchmal findet man auch einen Ort, an dem man den geliebten Seelen ein ganzes Stück näher ist als anderswo, ein Sternengarten für ungeborene Kinder auf dem nahegelegenen Friedhof, eine Blumenwiese oder auch ein großer Baum, der uns in seiner Energie mitnimmt in den Kreislauf von Werden und Vergehen.

Und nun, am Muttertag, da darf man als Frau gut für sich sorgen, ob man schon eine Mutter ist, beinahe eine geworden wäre oder auch die Mutter für ein Projekt, eine Idee oder etwas Anderes, erst noch zu Schaffendes werden will. Wir dürfen lernen achtsam mit uns selbst zu sein, zu erspüren, was wir brauchen, und auch, mehr davon in unser Leben zu integrieren.

An diesem Tag und auch allen anderen.


Kommentare

Muttertag für Beinahe-Mütter — 2 Kommentare

  1. Das ist ein sehr schöner Aspekt, dass auch Mutter Erde einen eigenen Ehrentag bekommen sollte.

    Respekt, Achtsamkeit und Anerkennung sind grundlegende Säulen unseres menschlichen Miteinanders. Und so verstehe ich auch den Muttertag. Nur manchmal wird er, durch tiefgreifende persönliche Erfahrung, zu einem Tag der Trauer, des schmerzhaftn Bewusstwerden eines erlittenen Verlustes.

  2. Liebe Frau Hellmann, ich finde das einen sehr berührenden und einfühlsamen Text. Ein Kind zu verlieren, ist für jede Frau ein heftig einschneidendes und schmerzhaftes Erlebnis, soweit ich das in meinem Umkreis mitbekommen habe. Es tut immer gut, wenn man andere Menschen kennt, die Ähnliches erfahren haben und diese Emotionen bestens kennen und verstehen. Manchen mag es auch helfen, da an Mutter Maria zu denken, sich mit ihr zu verbinden, auch sie kennt diesen Schmerz.
    Wie schön ist es, wenn man einer „Mutter“ auch ein herzliches Danke sagen kann. Wie wichtig ist es, den Dank auch tatsächlich auszusprechen! Die wertschätzende, liebevolle Anerkennung ist es doch, was wir alle brauchen.
    In dem Lied von Baumann „Hohe Nacht der klaren Sterne“ heißt es Mütter, tief in euren Herzen schlägt das Herz der ganzen Welt…“ oder so ähnlich…
    Und „Mutter Erde“ sollte auch einen richtigen Feiertag haben…
    Rautgundis Lucia

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