Darfst du dann die Räume beanspruchen und umgestalten?
Der Vater meiner Freundin starb Weihnachten vor zwei Jahren und jetzt musste sie ihre Mutter ins Pflegeheim geben.
Das war zuerst einmal ein großer Schock, dass ihr Vater sie und ihre Mutter so plötzlich verlassen hat. Er war die Stütze ihrer Mutter, derjenige, der alles organisiert hatte. Und plötzlich ist er nicht mehr da.
Zurück ins Elternhaus?
Und jetzt sieht die Tochter, wieviel Hilfe und Unterstützung die Mutter schon braucht. Das war bei ihren Besuchen aus der entfernten Großstadt gar nicht so sichtbar gewesen, solange der Vater im Hintergrund alles geregelt hatte.
Und in diese große Fußstapfen muss sie nun entweder selber treten oder eine Pflegekraft organisieren, die 24 Stunden mit der Mutter lebt.
Das ist eine schwere Entscheidung.
Sie hat keine passende Pflegekraft gefunden und entschließt sich, zurück ins Elternhaus zu ziehen, um sich mit externer Unterstützung um die Mutter zu kümmern. So hofft sie, das Haus zu erhalten, das die Eltern selbst gebaut haben, und welches für alle so lange ein Zuhause war.
Diese Geschichte ist keine Einzelfall, zur Zeit begleite ich einige Menschen, bei denen Vater oder Mutter verstorben sind oder ein Elternteil ins Pflegeheim gegeben werden musste. Es ist nicht mehr möglich, all das zu Hause zu leisten, was Mama oder Papa jetzt an Pflege und Unterstützung brauchen.
Dennoch muss eine Lösung gefunden werden, denn das Vermächtnis der Eltern soll so lange wie möglich erhalten bleiben.
Wofür soll es erhalten bleiben?
Dafür sprechen mehrere Gründe.
Falls die Mama doch noch einmal aus dem Heim zurück nach Hause möchte oder muss. Falls man selbst in die Nähe des hilfebedürftigen Familienmitglieds gezogen ist, um gleich zur Stelle sein zu können. Falls eine Mieteinnahme hilft die Kosten der Unterbringung zu bezahlen, oder… oder.
Was ist mit den eigenen Bedürfnissen?
Wenn man als Familienmitglied einzieht, um in der Nähe zu sein, darf die Wohnung oder das Haus an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Vielleicht muss auch entrümpelt werden, um Raum freigeben für den, der sich kümmert.
Meine Freundin hatte schon mehrmals der Mutter vorgeschlagen kleine Veränderungen vorzunehmen, damit auch sie sich wohlfühlen kann, wenn sie schon zur Mutter gezogen ist.
Doch da war immer wieder dieser Satz der Mutter: „Ich will, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist.“
Eine Zeit lang haben beide gemeinsam im Haus der Eltern zusammen gelebt. Aber nun ging es nicht mehr, die Mutter brauchte so viel Pflege, dass man es zuhause nicht mehr leisten konnte.
Obwohl die Mutter jetzt schon ein halbes Jahr im Heim untergebracht ist und es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass sie zurück nach Hause kommt, traut sich die Tochter noch nicht, die Räume ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen.
Da hilft manchmal der Blick von außen. Er schafft eine neue Perspektive.
Hilfe vom Raum-Coach
Bei meinem Besuch bei ihr beginnen wir mit einer einzigen Veränderung, mit dem Bild über dem Essplatz im Wohnzimmer. Das Alte darf gehen. Und dann darf ein neues Bild mit einer ganz anderen Energie Einzug halten. Es ist sogar schon gekauft, es wartet seit Monaten auf dem Dachboden auf seinen Einsatz. Und dann dürfen wir die Essgruppe und die Sofagruppe tauschen. Der alte Teppich darf gehen und der neue darf ihn sofort ersetzen.
Und jetzt, jetzt ist dieser Bereich der Wohnung so, dass sich die Tochter darin wohlfühlen kann. Jetzt erlaubt sie sich, den Raum als ihren zu ergreifen und darin zu wohnen.
Jetzt darf ihr eigenes Leben in diesem Haus beginnen.

